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Das Müllner-Brünndl


 
 
Das Müller-Brünnel bei Isen
 
In stiller Einsamkeit liegt am Rande der großen Waldwiese gegen Mitterbuch das Müller-Brünnel. Frisch und rein sprudelt das Wässerlein aus dem sanften Moränenhang. Gern laben sich durstige Waldgänger daran. Neben dem Quell steht ein bescheidenes Kapellchen, ganz einfach aus Holz gefügt. Über dem moosgrünen Dache schaukeln zierliche Lerchenäste im Wind. Der Fleck ist Besitz des Müllers von Urtl, daher der Name.



In früheren Jahren wanderten di eIsener gerne zum Brünnel. Sie suchten in der Waldesstille Rast und Erholung. Bedrängte schütteten im Gebete dem Herrgott das Herz aus. Bauersleute trugen dem hl. Leonhard ihre Anliegen vor, wenn Unglück im Stall drohte. Sie fanden oft Erhörung. Einige Votivtafeln aus den Jahren 1852, 1874, 1885 und 1888 erzählen uns davon.
An das Brünnel knüpft sich eine lebendige Sage, die sich auf einer Schrifttafel über dem Eingang der Kapelle aufgezeichnet findet. Ein poetischer Mund hat sie 1894in Reime gebracht:
 
Von dem Brünnlein wohlbestellt,
höre was die Sag´erzählt.
Einst verfolgt von Kriegeshorden,
zu entkommen ihrem Morden,
flüchtete ein Reitersmann
hier sich in den dunklen Tann.
Aber in den Weichen Gründen
Kann das Rößlein Halt nicht finden,
Pferd und Reitersmann versinken,
nirgends will die Rettung winken,
da in seiner großen Not
nun der Reiter fleht zu Gott.
Rößlein an zu scharren fängt,
Scholl`um Scholle es verdrängt,
aus der Erde Haft befreit
hat´s den Herrn in kurzer Zeit.
Dieser danket Gott erfreut,
doch eh er den Ritt erneut
horchet staunend er zurück
und was zeigt sich seinem Blick?
Wo das Rößlein angsterfüllet
Hat die Erde aufgewühlet,
sieht er sprudelnd frisch und helle
aus dem Boden eine Quelle.
Wie ein Wunder faßt´s den Reiter
Und ehe er gezogen weiter
Hat was er erlebt, geschaut,
dem Papier anvertraut.
 
 
Der Volksmund stellt die Entstehung der Sage in das Jahr 1800, da General Moreau die Schlacht von Hohenlinden gegen die vereinigten Bayern und Österreicher schlug. Die alten Isener wissen nichts anderes. Ich selbst es einst aus dem Munde der Mutter, die es sicher aus dem Munde unserer Amongroßmutter, der alten Ammerin, geb. am 24.11.1803, vernahm.
Die Schrifttafel erzählt auch die jetzt 150jährige Geschichte des Brünnels:
 
Als die Kriegsnot verschwunden,
hat man nebst dem Quell gefunden
einen Baummast, der gespalten,
trug die Kunde wohlerhalten.
Und vom frommen Sinn erbaut
Bald man eine Säule schaut.
Und nach Jahren an der Quelle
Sich erhob eine Kapelle.
Beide sind der Zeit verfallen,
doch zu Gottes Wohlgefallen
das Kapellchen neu erstand,
eingeweiht durch Priesterhand.
Und wo still die Quelle fließet,
Gottes Gnade sich ergießet,
denn es hat vom frischen Bronnen
mancher Heilung schon gewonnen.
Und wer jemals weltvergessen
Bei dem Brünnlein ist gesessen
Preiset hoch den wackren Mann,
der soviel dafür getan.
Wird´s ja auch nach seinem Stand
Müllner-Brünndl nur genannt.
 
Heute ist es einsamer um das Brünnel geworden. Das Kapellchen bedarf wieder einer Renovierung. Es bittet um Schutz und Pflege. Das frische Brünnelwasser aber ist in Trockenzeiten die letzte Rettung der Leute von Mais und Westach.
 
Zeno Pfest in „Das Mühlrad“ Ausgabe 1953


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