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Der Hofwirt von Isen

   
 


 

 

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Der Hofwirt von Isen
 
Zu den angesehensten Bürgern des Marktes zählte im 18. Jahrhundert der Hofwirt. Ihm gehörte nicht nur die Hoftavern, ein schönes Gasthaus mit großem landwirtschaftlichen Betrieb, er besaß auch einige Lehenshöfe. Mit der Taferne war überdies auch noch die Riemers- und Kramersgerechtigkeit verbunden. Aber, wie es nicht erst heut geht, sondern schon zu allen Zeiten gewesen ist, dem guten Hofwirt Josef Lechner wuchsen aus verschiedenen Gründen die Schulden über den Kopf und am 3. August 1770 wurde auf Befehl des Hofrates zu Freising die Bestandsaufnahme des Lechnerschen Vermögens vorgenommen. An der Spitze der „Schätzleuth“ waren „Antoni Waizenpöckh, Raths, Krammer und Färber“, ferner Franz Antoni Heigl, Lebzelter und Weinwirt und Johann Anzenberger.
Lassen wir uns an Hand des damals erstellten Inventarverzeichnisses, das in einem dickleibigen Aktenfaszikel des Landshuter Archivs aufbewahrt wird, durch das behäbige Bürgerhaus führen.
In den niederen Gewölben der „Crammerey“ schauen wir gleich einmal in sämtliche Schubladen und finden da: „Grädische und kollische Schmal-Bändel, Biesl zu denen Hemmetern, Seiden und Tafet-Bänder, Wollene Gallander Bändel, seidene Schnier, Haarbändl, halbseidene Spizl, feine und gemeine Salzburger Spiz, Leonische Spiz, Bordten zu Hosen mit farbigen Tragern, Huetschnier, kardaunerne Haubenfleckhl, Schuhnösteln, Faden, Schnier, Riemen, Zwirn, gefarbte Paumwohl (Baumwolle) gesponnenes Garn, Leinwath, weiß und blau gesponnnene Woll, alle Arten von Knöpfel, gläserne, beinerne, hölzerne, kamelharnene, aus ‚Zün, Messing und von allen Farben.
 
Ferner sind in den Schubladen „große und kleine Mietter. Und andere Häkchen, Kinder-Büchel, Spielkarten, Wözstain, Kupferwasser, gelbe, graue, rothe Farb, Insslet-Körzen, rot und schwarz Toback, Pöch, Allraun, unterschiedliche Löffel , alle Arten Gewirz, große und kleine Schrodt, gerolde Gerst und Grieß, große Pirschen, dann Schuechpirschen und Bemsl, alle Natherey-Waar, Zonterstein (Zunder), Schuster-Zeug, Kamppeln, beinerne Rosenkränzl, Ablaß-Pfennig, Lorber-Blöder und Hochzeitskränz.“
Über den massiven Schubladenkästen ist der Stolz des „Kramers“ bis zur Decke empor aufgerichtet: Die Tuchware. Da bewundern wir in allen denkbaren Farben und Güten den „schwarzen Damascht, den Sammet, Criset, Gloimmet, Guset, Scharschedt, Buschet, Regensburger Zeug, Cammerlot, Graber, Cardis, Calman, Camolt.“ Es kommt schier kein Ende: All die Arten von „silberfarbener Glanss-Leinwanth, die geschiedenen Mitterfleckh, Brustflöckh, Männerstrümpf, Weiberstrümpf, baumwollene Mannshauben, Pfeffer- und andere rote Diechel, blaue Schnopf-Tiecheln, große Tichel“, dann der „weiße und blau gestreipte Barchet, der Flanell, braune Crebon, rotte Bey, Hals-tiecheln von Florettseiden, Badist, Trageth, Sammet, Blusch.“ Aber so geht es über Seiten dahin – es nimmt kein Ende.
Wir gehen nun in ein Gewölbe, wo die Eisenwaren vorherrschen. Da gibt es „Leimb, Schwammer, Eisen-Tradt, Leinöhl, Störckh-Mehl, Sicheln, Schar-Nögl, Hue-Nögl, Sänsen, Stachel, 8ter-Eisen, Eisenstangen aller Art. Wagen-Eisen, Stollen-Eisen, eiserne Schauffeln, beschlagene und unbeschlagene Schauffeln und Heygabeln, Handsteckher, Eisenpickl, Zaineisen, Huefstabeisen“; ferner treffen wir auf „Käss, Sigl-Wax, getruckhnetes Papier, Vorheng-Gschlösslen, Fischlain, verschieden gemachte Riemerarbeith, Zinn, Mössing in Tafeln, eiserne und kupferne Wagen, Caffee- und Pfeffer-Mihlen, Zämbiss, Bögl-Eisen mit Aufsözl, - kurzum, man kann sich fast nichts denken, was da nicht zu kaufen gewesen wäre.
Solche Kramer, wie den Lechner, bei denen alles zu haben war, von der feinsten Seide bis hin zum gröbsten Garn, und die bei den Kaufherren der ersten Handelsstädte ihre Waren bestellten, gab es aber in Isen mehrere. Die „samentlichen Kramer“ des Marktes hielten fest zusammen und ihre Innung unterschied sich in nichts von den Handwerkszünften. Damals in der Mitte des 18. Jahrhunderts muß zu Isen eine ziemliche Wohlhäbigkeit geherrscht haben, denn es wurde fleißig gekauft und der Lechner war keineswegs deswegen in Schulden gekommen, weil die „Crammerey“ nichts eingetragen hätte. Dabei waren die Kramer infolge ihres Reichtums ihrer durch Reisen und ausgedehnte Geschäftsbeziehungen gewonnene Erfahrung die angesehensten Bürger des Marktes; sie sind fast immer in den Ratskollegien zu treffen. So hat sich etwa 1786 der Stricker Paul Huber beklagt, daß „der Bürgerliche Magistrat in Isen samt den Marktschreibern meistens aus den dortigen Krämern und ihren Anverwandten besteht.“ Die im Rat sitzenden Krämer bereiteten ihm nämlich mit Erfolg Schwierigkeiten, als er bat, sein „kindiges Stricker-Handwerkh ohne mänigliches Irr oder Hinderniss, zu ewiger Zeit gaudieren zu derfen.“
Die Wohlhabenheit der Marktkrämer erhielt dann freilich bald den Todesstoß, als durch die Aufhebung des Stiftes St. Zeno, durch die Mediatisierung der ganzen Herrschaft Burgrain, durch die Beseitigung des Pfleggerichts und Marktgerichts, Kriegswirren und Teuerung die Bürgerschaft arg herunterkam.
 
Nachdem wir in den Kramladen des Isener  Hoftafernwirtes einen neugierigen Blick geworfen haben, wollen wir auch noch das Wohnhaus von oben bis unten besichtigen. Und es wird sich der Mühe lohnen, denn es ist in der Tat recht wohnlich darin; ein gewisser feiner Sinn läßt sich nicht verkennen. Überall offenbart sich gediegene Zweckmäßigkeit und zugleich Schönheit, überhaupt eine gewissenhafte Auswahl und Anordnung des Hausrats. Das Lechnersche Anwesen muß eines dieser typischen altdeutschen Häuser gewesen sein, dessen Bewoher es verstanden haben, sich recht behaglich und gemütlich einzurichten. Zugleich lernen wir hier ein altes Isener Wirtshaus kennen. Wir wollen es mit den im Kramladenbericht erwähnten Schätzleuten begehen.
Im „Flöz“ sehen wir außer einem „Hackstöckhl“ und einem „Waschschaffl“ nur ein eingemauertes Kästl, darin 5 gläserne Cafindl, 8 Piergläser und 12 Weingläsl und 12 Prandtwein deto. Dann ein flüchtiger Blick hinab in den Bierkeller, wo neben dem Faß die Maße aus Kupfer hängen; auch die „Käß Laib und 90 Pfund Schmer“ befinden sich hier. Daneben ist der Weinkeller.
Von der Flöz aus treten wir nun in die gewöhnliche „Zechstuben“, einen großen Raum mit brauner Holzdecke und Scheibenfenstern. Vier massive Eichentische mit weit ausgespreizten, gewundenen Beinen und „Vorpenckhen“ stehen in der Mitte. Im Erker gibt es auch Sessel, ein kleiner alter mit Leder, der andere mit blauem Tuch überzogen; Die Wand schmückt ein Kruzifix und ein Gemälde. In zwei Kästlein sind „3 duzet Mihl-Weilling samt denen Bredlern und 10 erdene Schisseln.“ Ein blechernes „Paumöhlkastl“, ein Hackstockh, der Ofen, 6 eiserne Leuchter und 7 Putzscheren bilden das weitere Inventar. Jetzt schauen wir in die Kuchel, wo der gewaltige Herd steht. Die Ausstattung ist sehr reichhaltig. An der Wand zählen wir nicht weniger als „11 kupferne und 9 eiserne Pfannen, 2 mössinge Pfändl, 1 Gluth-Pfan, dann 1 mössinger Kössl, 1 eisern Spielkössl, 4 Trifiess, 3 kupferne Pöckhl, 4 Rost, 2 eiserne Aufsätz, 11 eiserne Leichter, 6 Putzschern, 2 Schneidt-Mösser, 1 Kupfer-Seicher, 2 Seicher von Eisen, 7 Bradtspieß, 3 Kiechl-Spieß, 10 Schöpf-Löffel, 3 Murser, 12 erdene Degln, 18 große und kleine dergleichen Degln, 15 erderne Höfer, 3 Duzet hilzerne Däller, 1 kupferne Gazen, 1 Wasser-Schäffel, 1 Wasser-Zuber.“
Doch steigen wir jetzt die Stiege empor zum „Tafelzimmer“ für bessere Gäste, wo wir fünf große Tische und zwanzig Vorbänkee zählen. Die vier Fenster sind mit feinem Vorhang versehen, an den Wänden hängen zwei Kruzifixe mit zwei gemalenen Tafeln „Christus und Maria.“ Da sind ferner fünf mit goldgelbem Zeug „geklaidte Beisnsessel, 1 Speiss Tafel mit 10 Duzet Deller, 1 gespörtes Kästl, sogar 1 Piliar (Billard), von grünem Tuch überzogen.“ In der Ecke eine Bettstatt mit einem gerichteten Bett samt einem Polster und zwei Kissen.
Das  Nebenzimmer zeigt noch feinere Einrichtung, vielleicht als Vereinslokal, oder auch als Quartier für feine Gäste bestimmt. Es stehen nämlich da, 3 etwas zierlich gebaute Tische, davor „10 gelbe Spieglsessl, ein dergleichen Beinsessl, 6 blaue und 1 grüner Sessl.“ Ein großer prächtiger Hausaltar ziert die eine Wand, an den anderen Wänden ein Spiegel und sechs Bilder. Im Alkoven eine Bettstatt mit blauen Vorhängen daran.
In der Ladenkammer treffen wir auf die großen geschnitzten Truhen, wo die fleißige Hausfrau ihre Arbeit und die ihrer Mägde hinterlegt.
Ferner gibt es noch eine Schlafkammer für das männliche Gesinde mit 4 Betten und einem Tisch. Außerdem die sogenannte „große Stube“, die „Riemer- oder Loderkammer“
Das Schlafzimmer der Lechnerschen Eheleute befindet sich im Neubau. Es ist reich ausgestattet mit Gemälden und Ziergegenständen,
Soweit der Rundgang mit den Schätzleuten von 1770. Das Hofwirtsgebäude aber steht heute noch am oberen Markt in Isen. Nachdem die Wirtschaft schon ein paar Jahrzehnte später infolge der Säkularisation ihren Vorzug als „Hoftafern“ verloren hatte, ist im Jahre 1907 auch die Schankgerechtigkeit selber verloren gegangen. Das Anwesen ist dann in den Besitz eines Glasmachers übergegangen und leider umgebaut worden.
Hans Niedermaier, Das Mühlrad, Band 5 – 1955, gekürzte Fassung.

 
 

 

 
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