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Der Isener Bot

   
 


 

 

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Der Isener (Münchner) Bot´
Was Herr Anzenberger erzählte
„Ja mein Lieber, ich bin früher mit meinem Botenwagen jeden Donnerstag nach München gefahren. In ganz alter Zeit mußte ich oft an den Montagen auch hinauf. – So eine Botenfahrt dauerte 2 ½ Tag! Am Donnerstag morgens um 5 Uhr fuhr der Bot fort, in burgrain, Mittbach, Hohenlinden und Forstinning luden wir zu, in Forstinning wurde gefüttert und in Feldkirchen getränkt. Z´Anzing haben wir auch immer eine kurze Rast gemacht und in Riem blieb der Bot über Nacht. Am Freitag um 6 Uhr in der Früh war das Fuhrwerk in München, - unser Standquartier war beim Schlicker im Tal, - nachmittags um 3 Uhr ging´s wieder zurück und am Samstag, so mittags beim Zwölfuhrleuten kam der Bot wieder heim. Hier und da spannten wir am Donnerstag so erst um 9 oder 10 Uhr in der Früh ein. Da kam der Bot dann nur bis Neufarn und dort blieb er die Nacht über.
                Bis zum Jahr 1911 hab ich den Botendienst Isen – München regelmäßig durchgeführt. Ende Oktober 1911 ist es gewesen, da macht eich die letzte Fahrt. Im Sommer war es ja schön, aber bei schlechtem Wetter und bei der Kält! – Nach München brachte ich hauptsächlich Eier, Butter, Schmalz, Kartoffeln, Kleinvieh, Obst, Häute, Felle und die leeren Verpackungen, Kisten, Körbe und Fässer. In früheren Jahren lieferte ich viel Getreide auf die Schranne. Damals besaß ich 8 Roß! – Die Leute holten die kleinen Sachen beim Schlicker im Tal gewöhnlich ab. Alles andere stellte der Bot zu. Die Frachtkosten gingen nach dem Gewicht. Der Zentner kostete 1 Mark, Umzugsgüter waren natürlich teurer. – In München kaufte der Bot für die Isener Geschäftsleute ein. Wenn diese am Mittwoch abends ihre Bestellungen bracheten, erhielten sie am Samstag mittags pünkltlich ihre Waren. – Ja, der Botenwagen, der mußte richtig hergerichtet werden! Gewölbt, daß das Wasser ablaufen konnte. Vorn und hinten spannten sich zwei starke Bögen auf, an die Seiten und oben hin kamen Strohstangen, darauf wurden eigens hergerichtete Strohbauschen gelegt und über das ganze Gestell kam die Wagenplane, mit festen Stricken angemacht, daß der Wind nichts anfangen konnte. Unter der Wagenbruck schaukelte die Schanz. Da waren meist die steigen mit den feisten Gockeln droben. Eingespannt haben wir ganz nach Bedarf, 2 - 3 – 4 Roß. Das Futter für die Pferde hatten wir dabei.
Neben den Münchner Fahrten hatte ich auch die nach Hörlkofen zur Bahn. Da bin ich immer am Dienstag hinaus. Wenn es recht pressant war, in der Woche gleich dreimal, am Montag, Dienstag und Mittwoch.
Und die Umzüge! Wenn ein Geistlicher, Ein Lehrer oder von den Forstleuten einer weggekommen ist, mußte ich die ganzen Sachen auf der Achse fortbringen. Ich kam mit meinen Gäulen bis nach Starnberg, Rosenheim, Seebruck, Altenmarkt, Kirchensur, Allach. Und alles brachte ich immer gut an Ort und Stelle.
Frühmorgens ist es. Schwarzgrau schaut der Tag. Isen schläft noch. Nichts rührt sich im Markt. – Unten am Gries schlägt ein Hund an. Nicht wild. Ein Kätzlein hat wohl den nächtlichen Dachspaziergang bis in diese frühen Stunden ausgedehnt. Wird in großen Sprüngen über den Hof gehuscht sein, der Stalltüre zu. Nochmals schimpft der Russel diesem lasterhaften Kätzlein nach. Jetzt ist es wieder still.
Vier helle und vier dunkle Schläge tönen vom Zenoturm. Verhallen draußen im Isental.
Beim Anzenberger Karrner knarrt die Stalltüre. Der Knecht hat sie aufgestoßen. Dünnes, schwaches Lampenlicht wirft einen kurzen, wackeligen Lichtkegel auf den Hof. Stalldunst und Dampf qualmt aus der Türe. Eine Kette rasselt dort beim Scheunentor. Der Hofhund kriecht aus seiner Hütte. Kräftig schüttelt er den Strohstaub aus den Haaren. Jetzt wird er lebhaft der Cäsar. Er hüpft und winselt und zieht an der Kette in freudiger Erwartung. Der Knecht läßt ihn los. Wie närrisch springt der Hund ann ihm empor und leckt die Hand und läßt den Kopf sich tätscheln und rennt in wilden Kreisen um den Sepp und steigt wieder mit allen vieren in die Höhe und verschwindet im Stall.
Da stehen die Pferde am Barren. Sie schnauben. Schlürfen mit lauten Zügen das Wasser und treten schwer im Stand, daß es dumpf kracht.
Der Herr Anzenberger mustert im Nebengang, der zum Haus führt, die Roßgeschirre. Der Knecht schlüpft in seinen blauen Fuhrmannskittel. Geißel und Hut holt er vom Nagel. Die Pferde werden eingeschirrt. Die zwei führen sie über den Hof, vor zur Straße. Das große Einfahtstor neben der Haustüre wird aufgerissen. Es ächzen und pfeifen die Angeln. Da steht der schwere Brückenwagen, Vollbepackt ist er mit Häuten und Fellen und Säcken und Kisten. In schönem Bogen wölbt sich die Wagenplane darüber. – Eingespannt ist.
„Hast alles, weißt alles?““ – „Hü Hans!“ Die Pferde ziehen an. Laut kreischen die Räder auf der Straße. Der Hund rennt vor und wieder zurück, in heller Freude. Ein paar schneidige Schnalzer macht der Knecht, daß es im Markte hallt. Mancher Schläfer murrt leise im Schlaf.
Die Botenfuhr ächzt durch Isen, den Kupferschmiedberg hinauf, Hohenlinden und München zu.
 
(Quelle: Persönlicher Bericht von Herrn Josef Anzenberger 1925)

 
 

 

 
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