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Der Kirchenschatz von St. Zeno


Der Kirchenschatz von St. Zeno
 
Die Chroniken sind voll der Bewunderung der kostbaren Schätze, di ein den riesigen Schränken der Sakristeien von St. Zeno vom Thesaurarius des Stifts gezeigt wurden. Als Fürstbischof Freiherr von Ecker nach Isen kam, war er höchst erstaunt über die vorhandenen Kleinodien und Paramente. Es waren noch Stücke aus der romanischen und gotischen Zeit vorhanden.
Besonders das 18. Jahrhundert brachte einen solchen Zuwachs an silbernen Gefäßen, „daß die Behaltnissen nicht mehr erklecklich zu sein scheinten“, und Scholastikus M. Sedlmayr eine größere Sakristei bauen mußte. Die Prediger vom 1000jährigen Jubiläum im Jahre 1760 „von den kostbaren, silbernen Leuchtern, den silbernen Bruststücken Jesu, Maria und Joseph, St. Zenois, Juliana und Walburga“, rühmen den Probst, Freiherrn von Mayer (1730 – 1760), der die Kirche nicht nur verschönerte mit dem ganz mit Gold überzogenen, mit künstlerischen Schneidearbeiten gezierten Chorstühlen, sondern auch ein herrliches Reliquiar für die Gebeine des hl. Zeno „gleich einer hellbrinnenden Lampen hat aufhenken lassen.“
Den 25. September 1601 stiftet Tristan von Götzengrien, Pfleger zu Moosburg und seine Frau Maria Westacherin auf Rosenberg (beide Isener Adel) einen Jahrtag und dazu einen seidenen Ornat samt Levitenröcken um 100 fl (Gulden), dann heißt es: „Auch hab ich, Maria von Götzengrien, dem Stift einen schwarzsamtenen Ornat machen lassen, samt Levitenröcken, daß man für mich beim Donnerstagamt ein Memoria mache.“ An sonstigen kostbaren Geräten hat sich bis heute nur ein Kreuzpartikel (München 17. Jahrhundert), ein Lavabo (Teller mit Wasser- und Weinkännchen) und ein Kelch in getriebener Arbeit mit Bildern und trefflichen Emaillen (Augsburg 1760), dazu der kostbare Rokokoprunkornat von 1760 (1000jähriges Jubiläum) erhalten.



Messgewänder aus Isen um 1790
Die wertvollsten Stücke, besonders die Silberbüsten sind offenbar vor der Säkularisation in Bürgerhäusern versteckt worden, dazu gehört vor allem die seit 40 Jahren im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindliche Büste des hl. Zeno (bei Kaufmann M. Heilmaier aufbewahrt und als Gemeindeeigentum leider verschleudert). Am Sockel trägt sie den Namen des Stifters: „Ladislaus de Achdorf,“ ab 1451 Probst. Auf der Brust unter dem Kristall des kunstvollen, unverletzten Monilebefindet sich ein Teil der Hirnschale des hl. Zeno. Auf einer Platte stehend, deren Füße von drei Männchen gebildet sind, erhebt sich die silbergetriebene, teilweise vergoldete, armlose Büste, 47 ½ cm hoch; auf dem von dicken, vergoldeten Locken umrahmten Haupt ruht die reich gravierte, mit goldenen Kantenborten gefaßte, vergoldete Mitra. Um den Hals, gekleidet in einem mit reicher Musterung graviertem Gewand, liegt ein aufgesetzter, vergoldeter, in Schnittechnik verzierter Kragen. Auch im Museum wird dieses hochwertige Kunstwerk noch nach Jahrhunderten den Kunstsinn des Stiftes Isen verkünden.
Eine andere St. Zeno Büste, einst im Besitz einer längst verstorbenen Isener Kaufmannswitwe, wurde verkauft, leider ist nicht bekannt wohin.
Die Säkularisation räumte mit dem noch Vorhandenem auf. Im Kreisarchiv München liegt der Akt von 1803: „Einschmelzung des Kirchensilbers im Landgericht Burgrain und beim Stift Isen.“ Für die vielen Kupfersachen – und waren es auch kunstvolle romanische Kirchenkannen – hatte die Regierung kein Interesse. Dechant Göttner sandte als entbehrlich zunächst 4 Kelche, 6 Leuchter, 1 Lampe, alles aus reinem Silber, ein kleines silbernes Brustbild von St. Zeno, 1 Kreuzpartikel und viele Rosenkränze aus Silberfiligran, silbergefaßt oder mit Korallen verziert. Göttner hatte u.a. 7 vergoldete Kelche als unentbehrlich erklärt, von denen er aber noch 2 einsenden mußte, ebenso einen als unentbehrlich benannten Kreuzpartikel, sogar die großen silbernen Gefäße, mit denen in der Karwoche von Freising das heilige Öl geholt wurde, kamen zur Einschmelzung.
Der Ertrag von den übrigen Kirchen war gering. Innerpietlbach besaß eine kupfervergoldete, mit silbernem Laubwerk verziert Monstranz. Auffallend sind die vielen Kupfergefäße. Weiher besaß nichts. Französische Soldaten hatten die Kirche geplündert, selbst das Krankenöl mitgenommen, in Mittbach hatten kaiserliche selbst den Tabernakel erbrochen und die kirchlichen Gefäße geraubt oder zerbrochen. Immerhin lieferten Mittbach 22, Pemmering 37 Votivstücke ab: Münzen aller Art, Laubtaler, Frauentaler, silberne Anathemata, Salzburger Stücke, uralte, viereckige Münzen mit gotischen oder unkenntlichen Aufschriften. Manche mochten von gefallenen Soldaten aus der Schlacht von Hohenlinden stammen.
Sämtliches Kirchensilber, daß bis zum 18. Januar bei Dekan Göttner in Isen zusammenkam, wurde auf Befehl des Freisinger Kommissärs Aretin vom 7. Januar 1803 an das Münzamt München geschickt; Kunstwerke, einst der Stolz des Stiftes und Münsters St. Zeno, wanderten in das Feuer.
Ludwig Heilmaier


Sattler Archiv Isen