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Die freiwillige Feuerwehr Isen


                                               Die Freiwillige Feuerwehr lsen im Wandel der Zeit

Die Feuerwehren retten, löschen, bergen, schützen „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" Dieser Leitsatz steht als Überschrift im Protokoll über die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Isen. Als Gründungsdatum ist der 19.Juni 1869 angegeben. Im Mitgliederverzeichnis sind 23 Isener Bürger, die im Erwerbsleben alle einem Handwerksberuf nachgingen, als Gründungsmitglieder eingetragen. Zu ihrem Vorstand und Kommandanten wählten sie den Lederer Zeno Heilmaier.



Kommandant Zeno Heilmaier

Die Gründung erfolgte wohl aus der Notwendigkeit heraus, das eine erfolgreiche Brandeindämmung und Brandbekämpfung nicht mehr auf der Basis der Nachbarschaftshilfe mit Wasserkübeln und eventuell einer Handpumpe durchgeführt werden konnte; hierzu war vielmehr eine organisierte Gruppe aus freiwilligen Wehrmännern erfordeutlich. Die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr und zum Ankauf von entsprechendem Löschgerät muß im Markt Isen offenbar sehr groß gewesen sein, denn bereits nach wenigen Jahren konnte Kommandant Heilmaier folgende Einteilung vornehmen: I. Zug Schlauchführer II. Zug Spritzenmannschaft I. Rotte Kleine Spritze Nr.I Schlauchkarren II. Rotte Kleine Spritze Nr.II Rettermannschaft Bei einem Mitgliederstand von 82 Wehrmännern wurde im Jahre 1886 eine Neuordnung nach Zügen durchgeführt: I Chargen II Steiger III Retter IV Schlauchkarren V Kleine Spritze I VI Kleine Spritze II VII Große Spritze Am 15.März 1914 trat Herr Zeno Heilmaier von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger wurde der Elektro¬installateur Eugen Heilmaier gewählt. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wird die Vereinschronik unterbrochen und setzt erst wieder im Jahre 1919 ein. Am 7.Juni dieses Jahres wird Franz Liebhardt zum Kommandanten gewählt. Bedingt durch ein sehr reges Vereinsleben - neben regelmäßigen Übungen wurden monatliche Vereinsversammlungen abgehalten - stieg der Mitgliederstand bis zum Jahre 1920 auf 137 Mann, wovon 9 außerordentliche Mitglieder und 13 Ehrenmitglieder waren. 1923 bat Franz Liebhardt „um Enthebung seines Postens wegen vorgerückten Alters". Neuer Kommandant wurde Herr Nehlich, der das Amt bis 1928 weiterführte. Während seiner Kommandantenzeit erreichte der Mitgliederstand mit 160 aktiven Wehrmännern den wohl höchsten Punkt. Den Protokollen dieses Jahrzehntes ist häufig zu entnehmen, daß die Wehrmänner auf ihre Pflichten und Aufgaben bei der Feuerwehr hingewiesen worden sind und stets nach dem Wahlspruch „Einer für Alle, Alle für Einen" handeln sollten. Als Nachfolger von Herrn Nehlich wurde Herr Georg Reiter zum Kommandanten gewählt; er ist der Vater des derzeitigen Feuerwehrkommandanten und Kreisbrandmeisters Georg Reiter. In der Zeit von 1935 bis zum Ende des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben der Freiwilligen Feuerwehr Isen zum Erliegen, da so gut wie keine Veranstaltungen abgehalten werden konnten. Die Leitung der Isener Wehr hatte Herr Albert Weiss als Kommandant übernommen; Stellvertreter waren Herr Georg Reiter und Herr Josef Reich. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Isener Wehr sogar zu Brandeinsätzen nach München gerufen. Im Jahre 1944 war die Isener Wehr unter der Leitung von Georg Reiter und den noch verbliebenen Wehrmännern 9 mal in München bei Löscheinsätzen; der längste Einsatz hierbei dauerte 72 Stunden. Die Verantwortung für den Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr Isen nach dem Krieg wurde dem Hafnermeister Josef Reich übertragen; er wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht zum Kommandanten berufen und blieb in diesem Amt bis 1952. In der Generalversammlung vom 14.Mai 1952 wurde der Malermeister Josef Loidl zum Kommandanten gewählt; als Vorstand fungierte der damalige 2.Bürgermeister Josef Kinstetter. Für beide Kommandanten war es mit enormen Schwierigkeiten verbunden, einsatzbereite junge Leute zu finden, die den aktiven Wehrdienst ausführen wollten. Viele aktive Feuerwehrleute der Vorkriegsjahre waren vermisst, gefallen oder zeigten keine Bereitschaft mehr zum Weitermachen. Es war viele Jahre lang ein idealistischer Stamm von nur 10 Mann, der aktiv den Feuerwehrdienst leistete. Darüber hinaus traten Probleme bei der Bereitstellung des entsprechenden Löschgerätes auf. Erst im Jahre 1952 erhielt Isen eine elektrisch automatische Alarmsirene; die Marktgemeinde kaufte ferner 205 Meter B-Schläuche, 90 Meter C-Schläuche, Überdruckventile, Strahlrohre und für die Wehrmänner Schutzanzüge. Nach jahrelangen Diskussionen war es 1955 möglich, die Feuerwehr mit einem gebrauchten Löschauto auszustatten.




Ein Wechsel in der Vorstandschaft erfolgte am 3.August 1960; der 2.Bürgermeister Heinrich Fuihl übernahm das Amt des Vorstandes und setzte sich im Gemeinderat für eine bessere Ausrüstung der Feuerwehr ein. Noch im selben Jahr bestellte die Marktgemeinde ein neues Löschfahrzeug des Typs LF 8. 1961 beendete Josef Loidl den aktiven Wehrdienst. Der Schmiedemeister Georg Reiter wurde am 22.März zum Kommandanten gewählt. Heinrich Fuihl und Georg Reiter stehen auch heute noch an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Isen und leiten den Verein in harmonischer Zusammenarbeit. Als stellvertretende Kommandanten wirkten in dieser Zeit Hermann Baumgartner und Josef Fischer. Seit vielen Jahren wird diese Position von Herbert Winkler ausgeübt. Vielen Isenern wird das Jahr 1961 noch in guter Erinnerung sein. Unter dem Motto „Isen feiert mit seiner Wehr" konnte am 10. und 11.Juni 1961 das 90-jährige Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Isen verbunden mit der Weihe der neuen Vereinsfahne abgehalten werden. Die Patenschaft für die Fahne hatte die Freiwillige Feuerwehr Westach übernommen; als Fahnenmutter wirkte Frau Henriette Anzenberger, als Fahnenbraut Frau Brunhilde Kesenheimer. Die Turnhalle schien schier aus allen Nähten zu platzen, als sich am 10.Juni über 1000 Gäste zu dem sehr gelungenen Festabend einfanden. Zahlreiche Vereine aus nah und fern erschienen am 11.Juni zur Fahnenweihe, die H.H. Pfarrer Neubauer vornahm. Nach einem harmonischen Tagesverlauf mit Festumzug und Blaskonzert fand das Fest mit dem Feuerwehrball am Abend des 11. Juni einen krönenden Abschluß. Eine Werbeaktion des selben Jahres bewirkte, das 170 Isener als passive Mitglieder, die bislang gar nicht geführt worden waren, der Freiwilligen Feuerwehr Isen beitraten. Die Zahl der Aktiven stieg auf 20 Wehrmänner. Auch das Jahr 1962 nimmt in der Vereinschronik mehrere Seiten ein. Mit der Lieferzusage für das neue Löschfahrzeug stellte sich die Notwendigkeit zum Neubau eines Gerätehauses. Die Marktgemeinde Isen stellte ein Grundstück und das Material zur Verfügung und die aktiven Wehrmänner errichteten in ungezählten Stunden den Rohbau für das Gerätehaus. Die Arbeitsstunden wurden unentgeltlich nach Feierabend und an den Samstagen geleistet. Somit war die Unterbringung des Löschfahrzeuges gewährleistet, das Anfang Juni geholt und am 27.Juli 1962 geweiht wurde. In einem 2. Bauabschnitt wurde 1963 das Gerätehaus wiederum durch freiwillige Arbeitsleistung fertiggestellt und eingeweiht. Es ist „Aufgabe der Gemeinden für das gesamte Gemeindegebiet einen ausreichenden Feuerschutz sicherzustellen. Der Feuerschutz wird durch die Freiwilligen Feuerwehren und die Berufsfeuerwehren besorgt. Wenn in einer Gemeinde keine oder keine genügend große Freiwillige Feuerwehr zustande kommt, so muß die Gemeinde eine Pflichtfeuerwehr aufstellen. "(Kommentar zu Art. 57, GO). Die Notwendigkeit zur Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr, wie in Artikel 57, GO vorgesehen, hat es noch nie gegeben. Im Gemeindegebiet Isen wird das Feuerreich beschränkt sich jedoch nicht mehr allein auf den Feuerschutz, sondern umfaßt Hilfeleistungen vielfacher Art. Gerade die Freiwillige Feuerwehr Isen als Stützpunktfeuerwehr des Landkreises Erding wird zu den verschiedensten Einsätzen gerufen: zum Beispiel, Bergung von Verletzten bei Verkehrsunfällen, Pumpeinsätze bei Hochwasserkatastrophen, Trinkwasser-, Natur- und Gewässerschutz bei Ölalarm, Räumdienste bei starken Sturmböen (Bäume, die auf die Straße fallen etc.). und vieles mehr. In der Freiwilligen Feuerwehr Isen wird der Feuerwehrdienst von 37 aktiven Wehrmännern ausgeübt, die zu jeder Tages- und Nachtzeit für all diese Hilfeleistungen zur Verfügung stehen. Die Ausbildung und Unterweisung erfolgt in turnusmäßigen Wehrübungen und bei Lehrgängen in der Feuerwehrschule Regensburg. Bei Leistungsprüfungen wurde 1980 je eine Gruppe mit dem Leistungsabzeichen in Gold und Silber ausgezeichnet. Nach Artikel 16 Abs.1 FLöG haben die Gemeinden die für einen ausreichenden Feuerschutz erforderlichen Mittel bereitzustellen; ihre Aufgabe ist insbesondere die Beschaffung und Unterhaltung der notwendigen Löschgeräte, Alarmeinrichtungen, Löschwasserversorgungsanlagen, Dienstkleidung und Ausrüstung. Der Gemeinde Isen fällt hierbei die Aufgabe zur Ausstattung von 4 Feuerwehren zu. Zur Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr Isen zählen: 1 Tanklöschfahrzeug TLF 16, 1 Löschgruppenfahrzeug LF 8, 1 Notstromaggregat, 4 schwere Atemschutzgeräte, 1 Rettungsschere, 1 Rettungsspreitzer, Halogenscheinwerfer, Motorsäge, Funkausrüstung in beiden Fahrzeugen, Sirene mit Funksteueranlage (Alarm kann direkt von Polizeistation ausgelöst werden). Für das nächste Jahr ist der Ankauf eines neuen Löschgruppenfahrzeuges vom Typ LF 8 geplant (Preis ca. 115 000,--DM); noch in diesem Jahr sollen die Wehrmänner mit Funkweckern ausgerüstet werden (Preis je Gerät ca. 900,-- DM). Daneben gibt es vereinsinterne Ausgaben, die von den Beiträgen der passiven Vereinsmitglieder bestritten werden: Beschaffung von Uniformen zum Auftreten in der Öffentlichkeit, Unkosten für Fahnenabordnungen zur Repräsentation der FFW im Landkreis, stellt gleichzeitig wichtige Kontaktpflege zu anderen Feuerwehren dar, Ehrung von verdienten Feuerwehrkameraden bei besonderen Anlässen (Geburtstag, Hochzeit), Papier- und Portokosten für Rundschreiben. Es ist jedoch nicht möglich, eine Weihnachtsfeier oder einen Kameradschaftsabend zu organisieren, da hierfür das Geld nicht mehr reicht. Der Verwaltungsrat der Freiwilligen Feuerwehr Isen bedauert dies außerordentlich; der Idealismus und die Einsatzbereitschaft,die jahraus, jahrein von den aktiven Wehrmännern gefordert wird, kann nicht honoriert werden. Daher unser Appell an Sie: Unterstützen auch Sie die Freiwillige Feuerwehr Isen durch eine Spende (steuerlich abzugsfähig) oder Ihre passive Mitgliedschaft.

(Ludwig Rappold, Marktboten April, Mai + Juni 1981)


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