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Geschichte der Schule in Burgrain


Geschichte der Schule Burgrain
 
Das Schloß Burgrain war von 811 – 1803 Sitz der freisingischen Herrschaft Burgrain. Die Schulverhältnisse standen mit dieser in engster Verbindung; als erste und tatkräftige Förderer galten die Pfleger.
                Schon nach Beendigung des 30jährigen Krieges 16489 wird ein Zimmer des Schlosses als „Schuel“ bezeichnet. 1717 sorgte Pfleger Franz Ecker für ein eigenes Schulhaus, welches auch die Wohnung für „ain Schuellmeister und Mesmer“ war. Er schlug vor „ auf ainen Gemeinplatz als etwa bei dem Schupfen zunachst des Schlosses ain hilzene, aingädtige Wohnung und Schuellhaus zu errichten“. Als Vorschuß zum Bau wurden die 100 fl. Die Braumeister Göttner für eine Seelenmesse stiftete verwendet. Das este Schulhaus, erbaut aus Mitteln des Gotteshauses, kam demnach auf dem Schloßberg zu stehen. Es handelt sich um das südlich des Schlosses gelegene Anwesen, Hs. Nr. 81, heute dem Schäfflermeister Wieser gehörig. Der dort befindliche Stall, vor dem Umbau ein Raum von kaum 25 Quadratmeter und mit nur einem Fenster, soll als Schulzimmer gedient haben. Eine Frau erzählte mir von ihrem Großvater, daß dieser die dortige Schule noch besuchte. Die Kinder saßen damals um einen runden Tisch, der Unterricht bestand im Hersagen von Gebeten und Auswendiglernen von Katechismus-Antworten.
                Bei Auflösung der Herrschaft Burgrain im Jahre 1803 wurde das Schloß samt den dazugehörenden Gebäuden verkauft. Das Schulhaus erstand der Bräuhausbinder Thomas Burgzelter (Von daher der Hausname zum Schloßbinder)
                Für Unterbringung der Schule traf man keine Vorkehrungen, die Bevölkerug selbst zeigte damals wie fast überall auf dem Lande, noch herzlich wenig Sinn für die „neumodische Sache“ – und sehen wir die Schule am 14. November 1803 nach Isen verlegt und auch den Lehrer nach dorthin versetzt. Dies dauerte jedoch nicht lange. Bereits 1804 wird unten im Dorfe Burgrain das der Hoftavernwirtschaft gegenüberliegende, als Jägerhaus bezeichnete, zweistöckige !Amtshaus“ von der Schuldotationsstelle aufgekauft und als zukünftige Schule bestimmt. In dem selben Jahr wurde die Sonn- und Feiertagsschule eingeführt. Auffallenderweise besuchten die Kinder von Mittbach, Pemmering usw. ab 1804 nicht mehr die Schule zu Burgrain. Für sie hielt von 1804 bis 1810 Pfarrer Niedermeier von Pemmering Unterricht im Pfarrhof.
                Wie schlimm es damals mit den schulischen Verhältnissen noch stand, zeigt ein Burgrainer Schulbericht von 1812: Die Gegend ist ganz arm. Die Kinder der Bauern bleiben zum Arbeiten daheim; Die ärmeren müssen das ganze Jahr über zum Betteln gehen. Die meisten haben im Winter auch keine Schuhe. Etwa acht Schulpflichtige besuchen die Schule überhaupt nicht. 1812 wurde für Mädchen eine Industrie-Schule zwecks Unterweisung im Spinnen, Stricken und Nähen (heute Mädchen-Handarbeitsunterricht) eingeführt. 1813 hatte der damalige Lehrer 100 fl Schulgeld ausständig und es wurden ihm diese auf sein Bitten hin aus der Staatskasse in fünf Jahresraten ersetzt.
                Burgrain war eine Filiale der damaligen Pfarrei Mittbach; dortige Pfarrer stellten die ersten Lokalschulinspektoren. Ein in meinen Händen befindliches Schulzeugnis von 1819, gezeichnet von Pfarrer Joß, trägt das Siegel mit der Inschrift: „Königliche Lokalschulinspektion Mittbach. „ 1827 wurde die Urpfarrei Mittbach aufgehoben und samt Burgrain zur Pfarrei Pemmering geschlagen; die dortigen Pfarrer sind nun die Lokalschulinspektoren.
                Mit dem Schulbesuch stand es vor 100 Jahren noch sehr schlecht. Dies verrät ein Verzeichnis der nachlässigen Schulkinder aus dem Distrikt Mittbach, verfaßt den 24. April 1829. Es folgen 19 Namen mit den Bemerkungen: Ist 8 Jahre alt, besucht die Schule aber gar nicht. Ist 9 Jahre alt und hat ers 14 Tage besucht. Bald 12 Jahre alt und hat nicht ½ Jahr besucht. Besucxht manchmal, aber dann oft ein ½ Jahr nicht mehr. Dieses Jahr noch gar kein Schulbesuch – usw. Am Schluße ist vom Lehrer beigefügt: Um bei fernerer Nachlässigkeit mich nicht verantwortlich zu machen, wird dies hiermit dem Herrn Gemeindevorstand angezeigt. 1831 wird das Schulhaus Eigentum der Gemeinde. 1847 anerkennt diese auch die Baupflicht, welche ab 1804 zur Hälfte von der Kirche getragen worden ist. 1848: Ein Regierungsbefehl zur Errichtung von Schwimmschulen zieht langwierige Verhandlungen nach sich.
                Ein Prüfungsprotokoll von 1855 erwähnt, daß die Feiertagsschüler kaum ihren Namen schreiben können.
                1876 wurde das baufällige und seinen Zwecken nicht mehr entsprechende Schulhaus abgebrochen und an dessen Stelle ein neues erbaut. Wegen Überfüllung der Schulklassen befaßten sich von 1905 – 1909 die am Schulsprengel beteiligten Gemeinden Forstern, Mittbach, Schnaupping und Westach mit der Errichtung einer 3. Lehrerstelle. Da jedoch ein 3. Lehrsaal fehlte, an einen Auf- oder Anbau wegen der baulichen Verfassung des Gebäudes und Beschränkung des Schulgrundstückes nicht gedacht werden konnte, löste man diese fRage auf andere Weise. Die Ortschaft Neuharting kam zum Schulsprengel Forstern; für Mittbach und benachbarte Orte errichtete man 1910 eine eigene Schule. Es war aber auch höchste Zeit; denn bei Schluß des Schuljahres 1909/10 zählte Burgrain 223 Werktagsschüler. Während des Unterrichts standen die Kinder zuletzt – bei dem Mangel an Bänken – in den Gängen. Als eines besonderen Gönners der ihm unterstellten Schulen Burgrain und Mittbach und Freundes der Lehrerschaft muß hier gedacht werden, des Lokalschulinspektors Simon Kranz, von 1897 bis 1915 Pfarrer in Pemmering.
                Ab 1. Januar 1918 Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht; letzter Lokalschulinspektor Pfarrer Dr. Michael Eberhardin, Pemmering.
                Nun zu den Lehrpersonen:
                1715 – 1717: Als 1. Lehrer mit Namen begegnet uns Johann Heinrich Steiner, der seine Schulstube noch im Schlosse hatte. Über die vier nachfolgenden Lehrer lassen wir wegen des Reichtums kulturgeschichtlicher Einzelheiten Pfarrer LHeilmaier, den Verfasser des Werkes „Die ehemalige freisingische Herrschaft Burgrain“ reden:
                1717 – 1735: Johann Rässel. Derselbe diente vorher sieben Jahre lang als „Fournier“ im churfürstlichen Graf Monastrolischen Dragonerregiment und elf Jahre als Musterschreiber in der churfürstlichen Kanzlei. In Burgrain war er keiseswegs auf Rosen gebettet; denn 24 fl jährlich und 1 Sch. Korn waren sein Einkommen. Dazu kamen Nebeneinkünfte als Mesner und Gerichtsprokurator. 1717 richtete er eine Eingabe an die Freisinger Hofkammer, es möchten ihm auf drei Jahre 6 Klafter Scheiter verabfolgt werden zur Beihilfe. „Alldieweil er bis auf künftigen Quatember Michaeli (1720) noch keine Kinder in die Schul bekomme“, von der Besoldung noch nichts verfallen sei und er nicht wisse, wie er Weib und Kinder durchbringen solle, bat er um Aufbesserung. 1728 klagt der Isener Schulhalter Eisenreich, daß ihm ein ziemlicher Aufwand beschieden sei durch Aufnahme eines Schulmeisters zu Burgrain. Nach 19jähriger Tätigkeit starb Rässel 1735. Seine Witwe erhielt auf eine Eingabe des Pflegers hin aus den Pflegeamts-Gefällen 12 fl „in Anlehnung ihres miesseligen Stands, was dieser wahren armen Tröpfin gar wohl zu gönnen ist.“
                1735 – 1742 Josef Kämpl, ein erlernter Gärtner, der die Susanne Rässlin (seines Vorgängers Witwe) in sein Haus aufnimmt und deren Tochter Anna heiratet. Der Pfleger befürwortet Kämpls Anstellung, „da umliegend eine ziemliche Anzahl Jugend vorhanden, die bey so guter Gelegenheit in die Schul geschickt werden können, wo sie in Lesen, Schreiben und Glaubenssachen mehr lernen können, als zuhause bei den Eltern.“ Er schreibt daß Kämpl gut rechnen kann und der Pfarrer von Mittbach auch einverstanden sei. Kämpl soll die gleiche Besoldung erhalten wie der jüngst verstorbene Schulmeister und Mesmer. Und zwar vom Gotteshaus Burgrain 12 fl, von den Jahrtagen 15 fl, für Wartung der Kirche und dem Läuten der Glocken 1 fl, sowie 1 fl Wäscherlohn, 39 kr. Für das Putzen der Lampen und Leuchter. Kämpl, dessen Eingabe eine schöne, saubere Handschrift zeigt, wird sehr gelobt wegen seines Fleißes. 1738 erhielt die verwitwte Susanne Rässel größere Unterstützung , die daran snschließend zu ihrem Sohn, einem Goldschmied in Prag zog, wo sie ihre Pension fortbeziehen konnte.
                1742 – 1798 Franz H. Steiner, geb. 1709 in Theisbach.
                1742, nach dem Tode ihres Mannes ersucht Ursula Kämpl, es möchte ihr die „hiesige Gerichtsprokuratsstelle, Schulhalter und Mesnerei gegen stellung eines tauglichen Menschen“ verwilligt werden und präsentiert Franz sTeiner , der schon bei der Burgrainer Gerichtsschreiberei beschäftigt war. Steiner bat unermüdlich in Bittschriften um Aufbesserung, da er mit seiner Frau und den Kindern bei diesem bescheidenen Gehalt nicht mehr über die Runden kam. Er erhält auch 1744 10 Klafter Holz und 1751 etwas Weizen und Korn. Am 6. Oktober 1798 starb Steiner nach treuer 56jähriger Dienstzeit, als 88jähriger, völlig erblindeter Greis. Sein einziger Sohn Anton, zum Lehrerstand nicht tauglich befunden, hatte im Kloster Weyarn ein Unterkommen erhalten als Konventdiener.
                1798 – 1842: Franz Neumayer, früher Schreiber in Eggenfelden, wurde 1790 in München als Schullehrer mit Zufriedenheit geprüft und versprach alles aufzuwenden zum Nutzen des Staates und der lieben Jugend. Neumayer erhält als Lehrer von den Gotteshäusern Burgrain 11 fl., Weiher 4 fl, Schnaupping 6 fl., Inner- und Außerbittlbach je 6 fl., aus der Isener Cassa Pauporum (Armenkasse) 10 fl., aus der Isener Liebesbunds- und Schulfondskasse je 5 fl., vom Landgericht Erding 1801 60 fl., an Schulgeldern. Aus den herrschaftlichen Wäldern bekommt er 6 Klafter Brennscheiter zur Beheizung von Wohnung und Schule. Als Prokurator bezieht er an Zeugengeldern, Abschiedsgeldern und sonstigen Gerichtsvorteln circa 50fl., An Schreibgebühren von Bescheinigungen und Bittschriften circa 5 fl., Schrannengeld 1 fl 82 kr., für die Scharwerkbescheinigungen aus dem SChloßkasten 2 Metzen Weizen, was 4 fl entspricht. Als Mesner erhält er von der Schloßkapelle an Deputat und Jahrtagsgebühren 11 fl 24 kr., an Begräbnisgeldern ca. 5 fl. Im Vergleich zu 1717 betrug das Gesamteinkommen 1801 mehr als das sechsfache lt. Pfarrer Heilmaier.Neumayer starb 1842 und liegt im Friedhof von Burgrain begraben.
                1842 – 1850: Johann Krieger von Burghausen, früher Vötting wurde wegen verlotterter Hauswirtschaft abgesetzt. Seine Töchter fielen der Gemeinde zur Last.
                1850 – 1863: Eduard Eisenrichter von Rechtmehring. Nach Bericht der Lokalschulinspektion ein bescheidener, braver Mann.
                1864 – 1879: Josef Schellerer aus Rechtmehring. Ältere Leute dahier erinnern sich noch an dessen umfangreiche, wuchtige Tabaksdose aus Hirschhorn, die von den Buben als Zuchtmittel so sehr gefürchtet war. Der „Schellerer Vater“ lebte zuletzt als Pensionist in Hohenlinden – den Humor bewahrte er sich bis in seine letzten Tage, wo er 1914 im Alter von 82 Jahren starb.
                1880 – 1889 Jakob Müller, gestorben 1899 in Oberneuching als im zeitlichen Ruhestand sich befindlich.
                1889 – 1893 Johann Widmann, lebt als Oberlehrer a. D. in Unterföhring
                1893 – 1896 Karl Mayerhofer, lebt als Oberlehrer a. D. in Isen
                1896 – 1899 Franz Asam, lebt als Oberlehrer a. D. in Willing
                1899 – 1909 Rudolf Hillenbrand, lebt in Forstinning
                1910 – 1926 Sebastian Wimmer, langjähriger Vorstand des Bezirks-Lehrer-Vereins Haag und Mitglied des Bezirksrates Wasserburg am Inn, zur Zeit aktiver Lehrer in Pasing.
 
Josef Göckler, Hauptlehrer in Mittbach, 1932 für „Die Heimat am Inn“
 


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